Hyperbaustelle

Unbekannte Codes – Michael Haneke

Montag, 17. Januar 2011 von urb

Michael Haneke schafft in seinen Filmen konsequente Antiutopien: Er zeigt, wie es eigentlich nicht sein dürfte. Warum haben seine beängstigenden Negativbilder trotzdem eine positive Wirkung? Weil der Zuschauer nicht dramatisch überrumpelt, sondern einbezogen wird, entsteht das Gefühl, dass Missstände zu erkennen und deshalb unter Umständen zu ändern sind.

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2111 – Energiedusche und Fooddesign

Freitag, 14. Januar 2011 von nov

nov, 14. Januar 2111

Ein Wunschtraum des Menschen ist es, Abfall zu hundert Prozent und am besten unendlich wiederzuverwerten. Oder weniger Energie in etwas zu stecken, als man dann anschließend wieder herausholen kann. Etwas, das anfällt oder abfällt, unter die Energiedusche zu stecken und nutzbar zu machen oder zumindest den Anschein von Nutzen zu erwecken. Scheinbar auch ein Grundgedanke des Fooddesigns: Da liegen Furnierabfälle herum, und ein paar Aromastoffe sind zu sonst nichts zu gebrauchen. Also machen wir doch einfach ein Früchtejoghurt draus. Fette sind sich chemisch so ähnlich, egal, ob sie natürlich vorhanden oder technisch hergestellt sind. Da sythetisieren wir doch einfach Futtermittel oder legen Oliven aus gepressten Sägespänen ein. Was haben wir gewonnen, wenn wir toten Gegenständen das Design des Neugewachsenen verpassen? Kann Hunger so gestillt werden? Ich ziehe es vor, Tabletten zu essen und mir schöngestylte Äpfel und Flugmangos aus Plastik in die Schale zu legen. Mir Kochshows dazu anzusehen und mich am Anblick echter Lebensmittel zu erfreuen.

To be continued …

Alle Tagebucheinträge von nov aus dem 22. Jahrhundert

Aufstand der Jungen

Mittwoch, 12. Januar 2011 von urb

Ein Mann wird schwer verwundet ins Krankenhaus eingeliefert: der unheilvolle Beginn einer Schuldenkarriere oder Geisterexistenz im Illegalen. Das im ZDF-Doku-Drama entworfene Zukunftsszenario ist deshalb so bedrückend, weil es so nahe liegt und beschriebene Tendenzen längst auszumachen sind.  Ein Beleg dafür, dass es sich lohnt, über die Zukunft Gedanken zu machen.

Aufstand der Jungen

Sophie Schäfer schwebt durch Höllenberg; Aufstand der Jungen, ZDF

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Utopistik der Ökonomie (Teil 2)

Sonntag, 09. Januar 2011 von urb

Kann Praxisphilosophie ein alternatives Zukunftskonzept liefern? Horst Müller zeigt, wo die Hebel für eine Transformation der Gesellschaft angesetzt werden können und welche Rolle Sozialwirtschaft und Sozialstaatlichkeit dabei spielen.

Wir arbeiten, um zu leben: Ökonomie sollte für die Menschen gemacht sein; Foto: Domnik

Wir arbeiten, um zu leben: Ökonomie sollte für die Menschen gemacht sein; Foto: Domnik

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2111 – Ein neues Jahr

Mittwoch, 05. Januar 2011 von nov

nov, 5. Januar 2111

Was wird die Zukunft bringen? Eine Frage, die der Jahreswechsel seit Jahrtausenden in uns auslöst. Wenn die Computer Zahlen umstellen und die Nacht am tiefsten ist, brennen wir ein Neuronen-Feuerwerk in unseren Köpfen ab. Eigenartig, weil doch die Zukunft das ganze Jahr über auf dem Spiel steht. Früher nannte man den letzten Tag des Jahres Silvester und praktizierte die seltsamsten Bräuche: Blei gießen, Briefkästen mit Böllern sprengen, Linsensuppe essen, sich auf die Rücken schlagen oder rote Unterwäsche tragen.

Aber dieses historische Fundstück legt Zeugnis über den bei weitem seltsamsten Brauch ab: »Es entschwindet das alte Jahr. / Die Kinder und der Karpfen sind gar. / Es wird gespeist.// Und wenn die Kannibalen dann satt sind,/ Besoffen und überfressen, ganz matt sind,/ Dann denken sie der geschlachteten Kleinen/ Mit Wehmut und fangen dann an zu weinen.« Tja, Menschenfresser waren eben auch nur Menschen.

To be continued …

Alle Tagebucheinträge von nov aus dem 22. Jahrhundert

Utopistik der Ökonomie (Teil 1)

Sonntag, 02. Januar 2011 von urb

Philosophie sollte Praxisbezug besitzen und bloße Kritik überschreiten. Horst Müller widmet sich seit vielen Jahren einer utopischen Ausrichtung der politischen Ökonomie, um zu zeigen, wie eine Systemalternative zum Kapitalismus ausschauen könnte.

Eine humane Ökonomie ist für den Menschen gemacht. Foto: Domnik

Wir arbeiten, um zu leben: Ökonomie sollte für die Menschen gemacht sein; Foto: Domnik

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2110 – Elektro-Urnen

Samstag, 04. Dezember 2010 von nov

nov, 4. Dezember 2110

Hatte heute eine längere Unterredung mit meinem Vater. Als seine Visionen von der Zukunft immer düsterer wurden, musste ich ihn leider abschalten. Seine Holografie sackte wieder in die Festplatte zurück, auf die seine Gedächtnisinhalte nach seinem Tod heruntergeladen wurden. Eine KI-Technologie, die sich schon Marvin Minsky im 20. Jahrhundert vorgestellt hatte.

Mein Minskymat beinhaltet meine Eltern und Großeltern, mit denen ich mich unterhalten kann, wann immer ich möchte. Und ich stelle fest, dass sie auch auf der Festplatte einer Entwicklung unterliegen. Die Hologramme, die sie aussenden, verändern sich. Nicht dass sie älter würden. Mein Vater legt immer mehr Wert auf dunkle Augenhöhlen und ausgemergelte Züge. Während meine Großmutter von Session zu Session jugendlicher wird. Die Gespräche mit ihr sind geradezu paradiesisch. Sie ist davon überzeugt, dass ein goldenes Zeitalter angebrochen ist, seit die Welt die Atomkraft endgültig verabschiedet hatte.

To be continued …

Alle Tagebucheinträge von nov aus dem 22. Jahrhundert

Zukunft bauen

Donnerstag, 02. Dezember 2010 von urb

Ernst Bloch interpretierte die Architektur als Produktionsversuch menschlicher Heimat, die moderne Baukunst als Traum von Klarheit, der die Gefahr der Entinnerlichung und Hohlheit mit sich bringt. Unter dem Motto »Architektur ist Utopie« versammelt studio3 einige intensivierende architektonische Konzepte, eingebettet über die Scribd-Plattform, hochgeladen von cmd.estoc.

Mobile Architektur von Yona Friedmann

Mobile Architektur über der Seine von Yona Friedmann

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Herbstlicher Hypertext

Mittwoch, 01. Dezember 2010 von urb

Die Hyperbaustelle ist im Herbst umgezogen, wie die Betreiber. Die Menge der Beiträge ging deshalb zurück, die Zugriffsstatistik aber weiter nach oben. Der erste Rückblick seit Juli umfasst philosophische An- und politische Erregungen. Und ein sich immer besser auch in Kommentaren entfaltendes Tagebuch 2110.

Tim Berners-Lee

1989 schlug Tim Berners-Lee seinem Arbeitgeber CERN ein Projekt vor, das auf dem Prinzip des Hypertexts beruhte und den weltweiten Austausch sowie die Aktualisierung von Informationen zwischen Wissenschaftlern vereinfachen sollte. Hieraus entstand das WWW.

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2110 – Entlobbyfizierung

Samstag, 20. November 2010 von nov

nov, 20. November 2110

Gloria sagte heute zu mir, sie sei nach der Entlobbyfizierung regelrecht aufgeblüht. Als damals einem letzten Vertreter einer hartnäckigen politischen Partei in einem basisdemokratischen Übungscamp die Machtflausen ausgetrieben worden waren und sie wusste, dass von nun an jede Abstimmung über das Terminal eine Konsequenz haben würde, da hätte sie eigentlich erst zu leben begonnen. Auch war sie von Anfang an von der Idee begeistert, dass Cypols, diese braven Politroboter, über die Auswertung der Abstimmungen wachen und ihre Umsetzung garantieren. Zu wissen, dass kein Betrug mehr möglich sei, mache es ihr leicht, sich der Mehrheit zu beugen, falls diese anders als sie selbst denke. Endlich seien diese politischen Relikte, vom Gottesurteil über die Parteien bis hin zum Personenkult, vom Tisch. »Es soll Leute geben, die die Abstimmungen und Cypols hacken und manipulieren«, bemerkte ich. Ein Miesmacher sei ich, meinte sie, überhaupt triebe ich mich zerebral zu viel in der Vergangenheit herum.

To be continued …

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src = Utopie?

Dienstag, 16. November 2010 von urb

Für Webpioniere war der Hypertext eine Utopie der subjektiven Verknüpfungen. Weil alles mit allem verbunden werden kann. Weil die Herkunft des einzelnen Textelements (der Autor) in großen Netzcollagen ins Schweben gerät. Ist dieses Attest in einem auf Vermarktung abzielenden Umfeld eigentlich gerechtfertigt? Bedenkzeit auf der Hyperbaustelle.


Der Lyrikdienst von Martin Auer liefert mit jedem Reload der Seite einen neuen Haiku per Zufallsgenerator. Ein schöner Kontrast: Mitten im globalen Hypertext wählt Auer diese vollkommen in sich ruhende Form.

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Top 10 – Tagebuch 2110

Dienstag, 09. November 2010 von urb

Auf Wunsch von Paul die Top Ten des Tagebuchs 2110/2109 von nov: von Viren, die das Sprachzentrum ummodeln, von Kindern, die nicht mehr geboren werden, von Helden der geschichtlichen Antikonsum-Bewegung, von der Angst vor dem Kommunikationsausschluss,  von Sportausübung als Kriegsersatz, vom Denken in Schwärmen, von Handwerks- und Politikrobotern, vom Ausschalten des Internet und Fichtenbestands, von der Spaltung des Menschen in seine Hologramme.

Da waren wir doch schon einmal ... Ruinen offenbaren die Vergangenheit in der Zukunft.

Da waren wir doch schon einmal ... Ruinen offenbaren die Vergangenheit in der Zukunft.

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