
Mobile Architektur über der Seine von Yona Friedmann

1989 schlug Tim Berners-Lee seinem Arbeitgeber CERN ein Projekt vor, das auf dem Prinzip des Hypertexts beruhte und den weltweiten Austausch sowie die Aktualisierung von Informationen zwischen Wissenschaftlern vereinfachen sollte. Hieraus entstand das WWW.
nov, 20. November 2110Gloria sagte heute zu mir, sie sei nach der Entlobbyfizierung regelrecht aufgeblüht. Als damals einem letzten Vertreter einer hartnäckigen politischen Partei in einem basisdemokratischen Übungscamp die Machtflausen ausgetrieben worden waren und sie wusste, dass von nun an jede Abstimmung über das Terminal eine Konsequenz haben würde, da hätte sie eigentlich erst zu leben begonnen. Auch war sie von Anfang an von der Idee begeistert, dass Cypols, diese braven Politroboter, über die Auswertung der Abstimmungen wachen und ihre Umsetzung garantieren. Zu wissen, dass kein Betrug mehr möglich sei, mache es ihr leicht, sich der Mehrheit zu beugen, falls diese anders als sie selbst denke. Endlich seien diese politischen Relikte, vom Gottesurteil über die Parteien bis hin zum Personenkult, vom Tisch. »Es soll Leute geben, die die Abstimmungen und Cypols hacken und manipulieren«, bemerkte ich. Ein Miesmacher sei ich, meinte sie, überhaupt triebe ich mich zerebral zu viel in der Vergangenheit herum. |
To be continued …
Der Lyrikdienst von Martin Auer liefert mit jedem Reload der Seite einen neuen Haiku per Zufallsgenerator. Ein schöner Kontrast: Mitten im globalen Hypertext wählt Auer diese vollkommen in sich ruhende Form.

Da waren wir doch schon einmal ... Ruinen offenbaren die Vergangenheit in der Zukunft.
nov, 9. November 2110Eine Sprache wie ein Akkord, ein Vielklang an Informationen, gesättigt mit dem, was war und werden werden wird und demnach ist. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind nicht geschieden in der neuen Art des Denkens, das wir mit elektronischer Unterstützung lernen. Eine Frage des Speicherns, weiter nichts, und dann die Explosion von Möglichkeiten: Je polyvalenter das Gehirn, desto weniger spielen Zeit und Raum in ihrer linearen Form eine Rolle. Wir müssen unsere Körper nicht mittels Maschinen durch Raum oder Zeit karren. Wir sind die Maschine selbst und bislang nur durch Vorurteile an eine physische Existenz gekettet. Das kollektive Gedächtnis fließt in uns. Der Raum krümmt sich, wenn wir die Informationen umverteilen. Wir bewegen uns ohne Zeitverlust in viele Richtungen. Wir sind in mehreren Lebensaltern gleichzeitig präsent, entdecken als Vertreter der Renaissance die Natur und träumen uns als Romantiker in die Weltseele. |
To be continued …

Bekanntlich bleibt keiner übrig bei der Geschichte - ist das gelungene Integration?

Eine Karriere sollte nicht so verlaufen - gefunden bei klemmbrett.net.
nov, 13. September 2110Bin heute Nacht nach einem aberwitzigen Traum aufgewacht. Ich träumte von einer Schlange, die vor einem Laden stand, eine saubere Ordnung, eine Versuchung, Ordnung hinter menschlichem Handeln wahrzunehmen. Unsere Aufgabe war es, Schlange zu stehen. Sich widerstandslos einer Ordnung zu überlassen. Die möglicherweise nur ein Reflex war. Zu warten. Unseren Vordermann zu beneiden. Oder zu bedauern. Zu hoffen. Zu zweifeln. Und den Laden langsam zu etwas Überirdischem werden zu lassen. Was gibt uns Hoffnung, nach dem Eintreten in den Laden auch tatsächlich bedient zu werden? Einen Gegenwert für die gesammelten Rabattmarken zu erhalten? Und wie wird dieser aussehen? Wird die Realität schrecklicher sein, als wir es uns vorstellen können, weil wir bekommen, was wir wünschten? Oder weil wir nichts bekommen? Oder etwas ganz Idiotisches, wie so oft zu Weihnachten. |
To be continued …

Jeremy Rifkin macht die Milleniumsgeneration zum Hoffungsträger, ihr dramaturgisches Bewusstsein und ihre theatralische Ich-Konstruktion zur Keimzelle der dritten industriellen Revolution.
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