
Die Kinder der Batin Sembilan; Foto: Birdlife

Jana Kroll von Ecosia; Foto: Privat
nov, 2. Juni 2110Nach dem Zusammenbruch der Geldwirtschaft hat sich eine elementare Währung herausgebildet: der Wasserverbrauch. Wir messen alle Dinge in Litern Wasser, die zu ihrer Herstellung benötigt werden.
Mit jemandem sein Wasser zu teilen, ist das größte Gastgeschenk, ganz wie es die Fremen aus der alten Schwarte »Wüstenplanet Dune« hielten. Dass ein fantastisch anmutendes Buch so viel Wirklichkeit enthalten könnte, überrascht mich immer wieder, wenn Gloria und ich feierlich unsere Lippen mit nicht aufbereitetem, tiefem und deshalb nicht erneuerbarem Grundwasser benetzen. |
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Foto: Nina
nov, 7. Mai 2110Seit einer Stunde fahre ich durch eine höchst eintönige Landschaft: Wie eine Plantage Schultafeln reichen die Solaranlagen bis an den Horizont. Wir haben unsere Lektion gelernt: Energiequellen sind umso effektiver, je umweltschonender und risikoloser Energie gewonnen werden kann. Denn häufig genügte ein einziger Unfall, in einem Kernkraftwerk oder auf einer Bohrinsel, um die Menschheit für ihre Dreistigkeit Generationen lang bezahlen zu lassen. Unterirdisch liegen Unmengen atomarer Abfälle verborgen, deren Halbwertszeit die Menschheit wahrscheinlich um ein Vielfaches überdauern wird. Das ist wie die Geschichte des Zauberlehrlings, der seinem Besen besser nichts befohlen hätte. Es sind nicht immer nur die neuen Haushaltsgeräte, die besonders gut kehren. Auf manchen uralten, Sonne, Wind und Wasser, kann man fliegen, und das ist kein Hexenwerk. Über mir schwingt der riesige Rotor eines Windkraftwerks. Keiner kämpft mehr gegen diesen Riesen. Don Quichote reitet längst auf unserer Seite. |
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nov, 3. März 2110An der Wand vor meinem Terminal hängt das Bild eines unserer globalen Helden. Er hatte damals mitten in New York begonnen, Energie zu sparen und seinen Konsum drastisch einzuschränken. Trotz aller Schwierigkeiten und Anfeindungen, weil er zum Beispiel kein Klopapier mehr benutzte, hielt er durch und formulierte seine Erfahrungen und Einsichten in seinem Blog. Der steht immer noch in der Holobibliothek und hat der Bibel längst den Rang abgelaufen. Die Verhaltensmaßregeln der von ihm gegründeten Gruppe »Avantgarde of non-consumption« sind zu unseren Geboten geworden. Ihre Einhaltung unterstützen wir durch neue Techniken, wo es nur geht. Heute bauen wir unsere Häuser aus bestens dämmendem Müll. Unsere Kleidung, das Geschirr, alles selbstreinigend, Nanobehandlung macht’s möglich. Die Diffusion der Partikel in die Haut ließ Waschen zur Luxusveranstaltung werden. Papier ist komplett durch praktisch unzerstörbare E-Books ersetzt. Fleischessen ist wegen des hohen CO2-Ausstoßes von Tieren und den enormen Wasserverbrauch bei der Aufzucht Geschichte geworden. |
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nov, 12. Dez. 2109Barbarische Urzeiten, als die meisten kritischen Stimmen aus dem Internet per Notschalter verbannt wurden. Angeblich wegen Urheberrechtsverletzungen. Dazu brauchte es nicht mal ein Gerichtsurteil. Barbarisch auch das natürliche Erscheinungsbild in dieser Zeit, als in den Breiten, in denen ich residiere, vor allem noch Fichtenwälder wuchsen. Saurer Regen und Klimawandel haben sie ausgeschaltet. Es gibt nur noch einige Exemplare in unseren Botanik-Museen. Bin heute im Schutzanzug durch den Brechnusswald spaziert. Gewächse, denen wir sehr viel verdanken. Sie gedeihen in der weltweiten Steppe und ihre Frucht liefert hochwertigen Treibstoff. Ihre Blätter halten die starke Strahlung ab. Im populären Liedgut ist der Brechnusswald ein Ort der Begegung zwischen Liebenden. Die Jugendlichen gestalten ihre Mutproben mit den Nüssen, deren Verzehr heftige Übelkeit bewirkt und in hohen Dosen tödlich wirken kann. Aber wir, besser gesagt unsere Botanik-Robots, pflegen diese Wälder wie Heiligtümer, weil wir wissen, was von ihnen abhängt. |
To be continued …