Hyperbaustelle

Nieder mit IT – Pigor rappt

Donnerstag, 05. August 2010 von urb

Die IT-Branche hat leider nicht kapiert, dass sie uns dienen soll, und nicht wir ihnen. Wenn Pigor Rache für die gebrochenen Versprechen von IT fordert, spricht er vielen aus dem Herzen, und das mit einem Sprachwitz und einer schauspielerischen Glanzleistung, die Mut geben im Kampf gegen die Maschinen und den Jugendgerätewahn. Suchen wir den Button doch einfach nicht mehr.

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2110 – Aqua Babel

Mittwoch, 16. Juni 2010 von nov

nov, 16. Juni 2110

Ich stehe an der Küste und schaue hinaus auf das Meer, das sich von den Ölverseuchungen seit der Abschaffung von Bohrinseln in den vergangenen 70 Jahren ein wenig regenerieren konnte. Die Wasserlilie ragt wie ein riesiger Turm aus dem Wasser. In ihr wohnen und arbeiten 30.000 Menschen. Auf den flachen Ausläufern befinden sich Gärten und Felder – ein grandioser Anblick aus der Ferne.

Sehe ich hier ein Symbol der Selbstüberhebung, das Strafe nach sich ziehen wird? Immerhin schuf der Mensch Land auf dem Wasser. Die Bevölkerung der Lilie ist über die neuesten Kommunikationsmittel informativ gleichgeschaltet. Ein ungeheures elektronisches “Geplapper” (hebräisch: Babel), in das sich auch andere Türme einmischen, geht von dieser Stadt aus. Warum sollte diesem Wunderwerk eine babylonische Sprachenverwirrung folgen? Das Einzige, was mich beunruhigt, ist der Umstand, dass die Küste immer weiter Richtung Böhmen zurückweicht.

To be continued …

Alle Tagebucheinträge von nov aus dem 22. Jahrhundert

2110 – Landflucht

Montag, 07. Juni 2010 von nov

nov, 7. Juni 2110

Habe mich gerade in die Computer und Cams einer großen Wasserlilie eingeloggt. Erstaunlich, wie schnell sich das urbane Leben auf das Meer verlagert hat. Zuerst war es ja eher eine Notmaßnahme: steigender Meeresspiegel, ergo: schwimmende Häuser – Landgewinn für Japaner, Niederländer und Inselstaatenbewohner. Inzwischen sind wir Landratten in der Minderheit. Viele ziehen das Leben in diesen Aufsehen erregenden Architekturen vor, die von keiner Naturkatastrophe in Mitleidenschaft gezogen werden können. Mit einem E-Logistiker der 30.000-Einwohner-Lilie stehe ich in Kontakt. Er arbeitet im 12. Stockwerk unter Wasser. Auf meine Bitte hin richtet er hin und wieder die Kamera durch das riesige Bullauge nach draußen. Ich sehe viele Tentakel von oben ins Wasser greifen. An ihren Enden sind verschiedene Geräte befestigt, mit denen die Stadt im Meer stabil gehalten, Strömungsenergie gewonnen oder Abwasser verteilt und zersetzt wird. Roboter, die ihre Reparatur-arbeiten verrichten, und Fische durchziehen in Schwärmen das Bild.

To be continued …

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2110 – Partyholoschizophrenie

Freitag, 22. Januar 2010 von nov

nov, 22. Jan. 2110

Die Party war angenehm. Die meisten Gäste hatten sich via Holoübertragung zugeschaltet. Gespräche leiden darunter absolut nicht, und der Bewirtungsaufwand hält sich in Grenzen. Immer wieder stellt sich allerdings die Frage: Was tut man mit den Besuchern, die durch die Haustüre gekommen sind. Sie geraten leicht ins Abseits, wenn ununterbrochen Holos eintreffen und sich euphorisch in den Vordergrund spielen. Kommt noch hinzu, dass sich die physisch Anwesenden wiederum als Holos an andere Orte senden. Du weißt nie, ob nicht gerade ein auf andere Räume konzentrierter Astralkörper vor dir steht. Dass eine Holographie als vorgefertigte Botschaft abgespielt werden kann und ihre Bewegungen am Übertragungsort nicht tatsächlich von ihrem Sender ausgeführt werden müssen, macht die Sache nicht gerade einfacher. Es soll Menschen geben, die an manchen Abenden an bis zu zehn Orten gleichzeitig unterwegs sind. Unter den Jüngeren ist das weit verbreitet: Die “Generation Partyschizophrenie” ist zu einem großen Teil in therapeutischer Behandlung.

To be continued …

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Avatar – Rettung nimmt Gestalt an

Mittwoch, 09. Dezember 2009 von urb

In der Dezember-Ausgabe der epd-Film nimmt Gamesforscher Michael Liebe den neuen Film von James Cameron zum Anlass, die Rolle des Avatars zu überdenken. In Camerons 500 Millionen Dollar schweren 3D-Kracher wird der Avatar aus der virtuellen Umgebung in die reale Welt des Planeten Pandora verschickt – eine wirklich innovative Mutation des hinduistischen Gottes.

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2109 – Draußen die Roboter

Dienstag, 24. November 2009 von nov

nov, 24. Nov. 2109

Wenn ich aus dem Fenster schaue, beruhigt mich die Sicherheit, mit der die Bauarbeiter ihre elektronischen Geräte beherrschen. Aber Akteur und Gerät sind aus einem “Holz”: Wenn einer plötzlich vom Boden abhebt und sich kreiselnd senkrecht nach oben schraubt, fällt erst auf, dass sich da draußen fast ausschließlich Roboter tummeln. Mich verblüfft immer wieder, dass man sie nicht mehr von Menschen unterscheiden kann.

Sie sind unempfindlich gegen die Strahlung und verrichten alle Arbeiten, die uns zu anstrengend oder stupide sind. Die größte Drecksarbeit machen allerdings die “Cypols”, unsere Politroboter. Sie sind unbestechlich und nicht zu kränken durch öffentliche gegenseitige Schmähungen. So eine Art platonisches Philosophengeschlecht, die technische Lösung der Polis-Utopie: Aus Blech müssen sie eben sein, um endlich nicht mehr voreingenommen und auf den eigenen Vorteil bedacht zu handeln.

To be continued …

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2109 – Hygiene als Vorbotin der Gerechtigkeit

Mittwoch, 18. November 2009 von nov

nov, 18. Nov. 2109

Schaue gerade aus dem Fenster, das schon zirka 20 Jahre nicht mehr von Hand gesäubert wurde. Naja, wenigstens unsere Nanotechnologen haben ganze Arbeit geleistet, das muss ihnen der Neid lassen: Der Lotusblatteffekt des Fensterglases wurde optimiert, lebenslange Sauberkeit garantiert. Außerdem genügt es, dem Fenster das Wort “dunkel” zuzurufen, schon wird es undurchsichtig.

Keine schlechte Technik, auch wenn sich das Nanokunstwerk manchmal in meine abgründigen Unterhaltungen einmischt. So bekomme ich wenigstens nicht alles draußen mit. Denn leider sind wir mit einigem von dem, was wir uns vorgenommen haben, noch immer nicht ins Reine gekommen. Aber Fensterputzen haben wir schon mal aus der Welt geschafft, iss doch was, oder? Hygiene als Vorbotin der Gerechtigkeit.

To be continued …
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Surrogates

Sonntag, 18. Oktober 2009 von urb

Ein neuer Science-Fiction-Film wirft die Frage nach einer Techno-Utopie auf, in der Menschen gänzlich auf “Real-Kontakte” verzichten. Wer nachts mit der U-Bahn gefahren ist, weiß, dass es gute Argumente dafür gibt, die Stadt lieber via Webcam zu besichtigen. Aber die Traumfabrik schrammt am Kern der Simulakrumthematik vorbei und liefert die übliche Wild-West-Klopperei rund um Bruce Willis.

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