Dienstag, 27. Juli 2010 von nov
nov, 27. Juli 2110
Heute wird mit Informationen gesteinigt. Enthüllungen kommen als Holografie ins Haus. Auf den Schiedsplattformen im Netz können sie eingeladen werden. Man sieht sich schon bald umringt von den gewaltigsten Vergehen und erlebt sie plastisch mit.
Aber wie detailliert müssen die Beweise sein, dass man erkennt, dass kriegsähnliche Zustände Kriege sind, dass Kriege brutal und nicht chirurgisch geführt werden und grundsätzlich zivile Opfer fordern? Leider ist es so, dass uns die fortwährenden Enthüllungen abgestumpft haben. Sie haben sich mit einem fiktiven Charme ausgestattet, und gerne sagt man: “Wieder mal eine gut gemachte Denunziationskampagne!”
Trotzdem gibt es keine Alternative zum Blasen der Pfeife, gerade wenn man, bestätigt durch Dokumente und Holobeweis, plötzlich sicher weiß, was man schon immer wusste. |
To be continued …
Alle Tagebucheinträge von nov aus dem 22. Jahrhundert
Mittwoch, 07. Juli 2010 von urb
Nachhaltigkeit ist schon längst zum Marketingargument geworden. Die Suchmaschine Ecosia spricht Nutzer gezielt über die Mithilfe bei der Rettung des Regenwalds an. Jana Kroll ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und äußert sich auf der Hyperbaustelle zu persönlichen Motiven, Zielen und Utopien im Zusammenhang mit nachhaltigen Geschäftsideen.

Jana Kroll von Ecosia; Foto: Privat
Sonntag, 04. Juli 2010 von urb
Während die Welt nach Südafrika schaut und großzügig über die Bannmeilen und Geschäftemachereien der Fifa hinwegsieht, sickert das Sparpaket der schwarz-gelben Koalition langsam in die Duldsamkeit der Deutschen. Als Gegengewicht wurde auf der Hyperbaustelle der französische Philosoph Alain Badiou vorgestellt, der sich von einer Passion, Erkenntnisse in die Realität umzusetzen, leiten lässt. Eine antikommerzielle Einstellung beseelt auch den Jazzmusiker Steve Coleman, der seine Alben kostenlos zum Download anbietet.

(weiterlesen…)
Montag, 31. Mai 2010 von urb
Im Mittelpunkt des Baustellenmais stand neben der Landtagswahl in NRW das Buch des Visionärs Jeremy Rifkin über die Möglichkeit einer empathischen Zivilisation, dessen Lektüre ich wärmstens empfehle. Warum Netzkultur zerstreuend, inzestuös und utopisch zugleich ist, hat mich auch im vergangenen Fliedermonat beschäftigt, ebenso die Poesie der Statistik und die moralische Anstalt des Kabaretts, diesmal am Beispiel Hagen Rethers. Nov fürchtete die entfesselten Riesen der nicht regenerativen Energiegewinnung und die postchristliche Exkommunikation.

Foto: Nina
(weiterlesen…)
Montag, 17. Mai 2010 von urb
Hier ein Fundstückchen, da eins – im Netz sind fleißige Sammler unterwegs. Ihre elektronischen Briefmarkenalben sind hübsch anzuschauen, durchaus geistreich und mit seltenen Stücken veredelt. Aber allzu oft täuscht das bunte Spektrum kosmetisch über die Tatsache hinweg, dass es an Aussagen mangelt und das Netz sich an zahlreichen Stellen einfach reproduziert. So kann man unter der Make-up-Schicht der Aktualität alles oder nichts in der Netzkultur finden – oft auch leider letzteres.

Frank Westphal, der Macher des News-Aggregators Rivva, möchte den anschwellenden Informationsfluss im Web durch eine Frank-Schirrmacher-Maschine bändigen, die umso besser wird, je länger man sie benutzt.
(weiterlesen…)
Sonntag, 28. Februar 2010 von urb
Scheiden tut weh – statt des Winters hätte die Hyperbaustelle in der verückten Jahreszeit gerne die FDP samt ihres Steuersünderklientels hinausgekehrt. Die karnevalesken Einlassungen sollten dabei keineswegs systemstabilisiernd wirken, sondern als durchaus gesellschaftsverändernd verstanden werden. So sorgte der Maskenbruch des Kabarettisten Christian Springer alias Fonsi erst am Aschermittwoch für Furore. Das hatte utopischen Drive: »Ich habe keine Lust mehr, Herr Westerwelle, über Sie Späße zu machen …«

Das Beste am Karneval: Aschermittwoch und Maskenbruch: Christian Springer am Aschermittwoch der Kabarettisten 2010.
(weiterlesen…)
Sonntag, 07. Februar 2010 von nia
Am 8. Februar 1996 veröffentlichte John Perry Barlow die »Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace«. Er wandte sich vor allem an die amerikanische Regierung und kritisierte den „Telecommunication Act“, da dieser die Freiheit des Cyberspace bedrohe. Die Hyperbaustelle möchte an diesen Jahrestag in einem Auszug erinnern.

Ein geistiges Netz: Bei Wikiopole wird die Blogosphäre und ihre Vernetzung visualisiert - die deutsche in dieser Grafik. Die Farben stehen für inhaltliche Kategorien von Kultur (orange) über Politik (weiß) bis kreativ (pink). Quelle: http://labs.wikio.net/wikiopole/de/
(weiterlesen…)
Donnerstag, 31. Dezember 2009 von urb
Wer kennt es nicht: Man arrangiert sich mit einer Situation, unter der man eigentlich leidet, und vernachlässigt es, Auswege zu suchen. Irgendwann holt einen das Ganze ein und wird zur echten Katastrophe. Die Dialektik von Ausweg und Ausbruch wurde in einem Gespräch zwischen »Freitag«-Redakteuren und Alexander Kluge untersucht. Kluge, die Verkörperung des deutschen kritischen Films und der Qualitätsgarant im deutschen Privatfernsehen, spricht sich für das in unserem Erbe enthaltene Klügere aus, für die Zukunft, die wir als Potenzial in uns tragen.

Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. (Walter Benjamin; Bild: Klee, Angelus Novus)
(weiterlesen…)
Samstag, 12. Dezember 2009 von nov
nov, 12. Dez. 2109
Barbarische Urzeiten, als die meisten kritischen Stimmen aus dem Internet per Notschalter verbannt wurden. Angeblich wegen Urheberrechtsverletzungen. Dazu brauchte es nicht mal ein Gerichtsurteil. Barbarisch auch das natürliche Erscheinungsbild in dieser Zeit, als in den Breiten, in denen ich residiere, vor allem noch Fichtenwälder wuchsen. Saurer Regen und Klimawandel haben sie ausgeschaltet. Es gibt nur noch einige Exemplare in unseren Botanik-Museen. Bin heute im Schutzanzug durch den Brechnusswald spaziert. Gewächse, denen wir sehr viel verdanken. Sie gedeihen in der weltweiten Steppe und ihre Frucht liefert hochwertigen Treibstoff. Ihre Blätter halten die starke Strahlung ab. Im populären Liedgut ist der Brechnusswald ein Ort der Begegung zwischen Liebenden. Die Jugendlichen gestalten ihre Mutproben mit den Nüssen, deren Verzehr heftige Übelkeit bewirkt und in hohen Dosen tödlich wirken kann. Aber wir, besser gesagt unsere Botanik-Robots, pflegen diese Wälder wie Heiligtümer, weil wir wissen, was von ihnen abhängt. |
To be continued …
Alle Tagebucheinträge von nov aus dem 22. Jahrhundert
Donnerstag, 19. November 2009 von urb
Herzlichen Glückwunsch! Wie es unsere Bildungsinstitutionen nur wieder geschafft haben, den jungen Leuten das Gefühl zu geben, dass sie statt gefördert verwertet, verwurschtet und entsorgt werden. Zuerst um Studierende werben und sie dann wie lästigen Müll zwischen überfüllten Hörsälen und schlecht konzipierten Bachelor-Terror herumliegen lassen! Gut, dass die Studis sich das nicht gefallen lassen. Schon weht eine leise Brise Solidarität durchs Land.

(weiterlesen…)
Mittwoch, 11. November 2009 von urb
Auf zwei unterschiedliche Formen der Anteilnahme durfte ich bei Twitter in der Nacht des 10. November stoßen. Die überwältigende Tweetflut zu Robert Enkes Selbstmord und die Phising-Aktion »videoz . twitter . dfhjkdh«. Die Frage erübrigt sich, welche der beiden Kommunikationsauswüchse ich mit von der Erde retten würde.

Ein Leben lang zu zweit? Das kann es nicht sein, liebe Phisher!
(weiterlesen…)
Samstag, 07. November 2009 von urb
Die Blogosphäre ist ein kollektives, synthetisches Bewusstsein, wie ein Freund so schön sagte. Eine Praxis, die nicht von einem Standpunkt aus entworfen wurde, sondern sich vielstimmig fortschreibt. Das erinnert an romantische Universalpoesie und ist damit per se utopisch.

Der digitale Romantiker inmitten von Datenbergen und -nebeln - aber auch mit Übersicht und Durchblick!
(weiterlesen…)