
Uri Hasson ist u.a. ein Vertreter der Neurocinematics, der Neurowissenschaft des Films. Die "inter-subject correlation analysis" (ISC) zeigt die Hirnaktivitäten während des Betrachtens eines Films, die Muster der Probanden gleichen sich bei jedem Film.

Die Kinder der Batin Sembilan; Foto: Birdlife
nov, 27. Juli 2110Heute wird mit Informationen gesteinigt. Enthüllungen kommen als Holografie ins Haus. Auf den Schiedsplattformen im Netz können sie eingeladen werden. Man sieht sich schon bald umringt von den gewaltigsten Vergehen und erlebt sie plastisch mit. Aber wie detailliert müssen die Beweise sein, dass man erkennt, dass kriegsähnliche Zustände Kriege sind, dass Kriege brutal und nicht chirurgisch geführt werden und grundsätzlich zivile Opfer fordern? Leider ist es so, dass uns die fortwährenden Enthüllungen abgestumpft haben. Sie haben sich mit einem fiktiven Charme ausgestattet, und gerne sagt man: “Wieder mal eine gut gemachte Denunziationskampagne!” Trotzdem gibt es keine Alternative zum Blasen der Pfeife, gerade wenn man, bestätigt durch Dokumente und Holobeweis, plötzlich sicher weiß, was man schon immer wusste. |
To be continued …

nov, 9. Juli 2110Ein überzeugender Sieg! Meine Holografie reißt die Arme hoch und rennt über das Spielfeld. In mir klopft sich etwas auf die Brust, die breiter und breiter wird. Dann springe auch ich auf und jubele. Meine Mitspieler tun das Gleiche, und deren Holografien auf dem Spielfeld werfen sich aufeinander, bis sie, von der untersten angefangen, nacheinander ausgeschaltet werden. Das besiegte Team sammelt sich vor dem Eingang und wird von uns mit eigens zu diesem Zweck gedichteten Schmäh-Microposts verspottet. Die Ungerechtigkeit, die aus einer direkten Konkurrenz erwächst, begeistert uns noch immer, auch wenn wir nur noch Stellvertreter auf dem Spielfeld agieren lassen. Jemanden zu besiegen, erweckt uralte Gefühle in uns, denen wir uns gerne hingeben. Zumindest für eine gewisse Zeit einen Gegner zu haben, entlässt uns aus unserer Monadenwelt und schweißt uns mit anderen zusammen. Wir haben ein Ziel, denken wir, wo wir uns doch nur ablenken. Die Tat erfrischt, weil sie beschränkt. |
To be continued …

Jana Kroll von Ecosia; Foto: Privat

nov, 16. Juni 2110Ich stehe an der Küste und schaue hinaus auf das Meer, das sich von den Ölverseuchungen seit der Abschaffung von Bohrinseln in den vergangenen 70 Jahren ein wenig regenerieren konnte. Die Wasserlilie ragt wie ein riesiger Turm aus dem Wasser. In ihr wohnen und arbeiten 30.000 Menschen. Auf den flachen Ausläufern befinden sich Gärten und Felder – ein grandioser Anblick aus der Ferne. Sehe ich hier ein Symbol der Selbstüberhebung, das Strafe nach sich ziehen wird? Immerhin schuf der Mensch Land auf dem Wasser. Die Bevölkerung der Lilie ist über die neuesten Kommunikationsmittel informativ gleichgeschaltet. Ein ungeheures elektronisches “Geplapper” (hebräisch: Babel), in das sich auch andere Türme einmischen, geht von dieser Stadt aus. Warum sollte diesem Wunderwerk eine babylonische Sprachenverwirrung folgen? Das Einzige, was mich beunruhigt, ist der Umstand, dass die Küste immer weiter Richtung Böhmen zurückweicht. |
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Michael Douglas in Falling down - ein Amoklauf der Filmgeschichte, der schockiert, aber leider auch irgendwie nachvollziehbar ist.
nov, 7. Juni 2110Habe mich gerade in die Computer und Cams einer großen Wasserlilie eingeloggt. Erstaunlich, wie schnell sich das urbane Leben auf das Meer verlagert hat. Zuerst war es ja eher eine Notmaßnahme: steigender Meeresspiegel, ergo: schwimmende Häuser – Landgewinn für Japaner, Niederländer und Inselstaatenbewohner. Inzwischen sind wir Landratten in der Minderheit. Viele ziehen das Leben in diesen Aufsehen erregenden Architekturen vor, die von keiner Naturkatastrophe in Mitleidenschaft gezogen werden können. Mit einem E-Logistiker der 30.000-Einwohner-Lilie stehe ich in Kontakt. Er arbeitet im 12. Stockwerk unter Wasser. Auf meine Bitte hin richtet er hin und wieder die Kamera durch das riesige Bullauge nach draußen. Ich sehe viele Tentakel von oben ins Wasser greifen. An ihren Enden sind verschiedene Geräte befestigt, mit denen die Stadt im Meer stabil gehalten, Strömungsenergie gewonnen oder Abwasser verteilt und zersetzt wird. Roboter, die ihre Reparatur-arbeiten verrichten, und Fische durchziehen in Schwärmen das Bild. |
To be continued …