Hyperbaustelle

2111 – Zeichenschwärme wie wir

nov, 21. Februar 2111

Gloria ist in die Stadt gezogen. Sicher, wir werden uns besuchen, aber doch sehr viel seltener sehen. Und die vielen Kontakte, die sie in der Wasserlilie neu knüpfen wird, werden sie stark in Beschlag nehmen. Macht mich das eifersüchtig? Auf was sollte ich eifersüchtig sein? Auf elektronische Signale? Die uns so schön gleich machen und die emotionalen Spitzen cutten.

Wenn wir hier auf dem schwindenden Land eines gelernt haben: Etwas fehlt beim Kontakt über die elektronischen Kommunikationsmittel, so echt sie auch 3D-Bilder in den Raum zaubern mögen. Dieses Defizit stört mich bei den meisten meiner Kontakte nicht, von denen ich notwendig froh bin durch ein virtuelles Gitter getrennt zu sein. Bei Gloria schon. Nun wird sie sich also auch in diesem Zeichenschwarm auflösen, der unser Miteinander dominiert; in Schrift, Bild, Ton und Hologramm; in einen Avatar, der Freunde, Diskussionen und Meetings hat, der bei aller Präsenz ständig außer Reichweite ist.

To be continued …

Alle Tagebucheinträge von nov aus dem 22. Jahrhundert

Dieser Beitrag wurde am Montag, 21. Februar 2011 um 10:00 Uhr von nov veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Tagebuch 2115 abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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6 Kommentare »

  1. Schön traurig! Richtige E-Melancholie! Ich sag’s ja immer: nicht immer nur vor dem Computer hocken! Gruß Gloria

    Comment: Gloria – 21. Februar 2011 @ 12:06

  2. @Gloria: Es gibt genügend Dinge, die man nicht den Maschinen überlassen sollte …

    Comment: nov – 22. Februar 2011 @ 14:38

  3. Was ist schon der Klang der Stimme eines einzelnen Menschen gegen die sanfte Melodie, die uns niemals Einsamen aus dem unendlichen Netz entgegenwächst. Im digitalen Raum bist du niemals allein.

    Comment: Rob Randall – 09. März 2011 @ 14:43

  4. @robrandall: Und woraus besteht diese sanfte Melodie? Schwingt in dieser unentzifferbaren Vielstimmigkeit vielleicht eine fast religiöse Verheißung mit? ich zitiere Peter Glaser: “Das Suchen hat in der Zwischenzeit einen religiösen Charakter angenommen. Die Leute wollen gar nicht mehr finden, sie wollen suchen.“ (www.webwatching.info)

    Comment: urb – 10. März 2011 @ 09:33

  5. Dann kennt ihr eben beide Gloria nicht! ;-) nov

    Comment: nov – 10. März 2011 @ 13:57

  6. [...] ist. Die Menschen werden im Rahmen der Digitalisierung der nächsten 100 Jahre immer mehr zu Zeichenschwärmen, ein Bild, das, wie ich finde, mehr Gestaltungsfreiräume offen lässt als das Ensemble von [...]

    Pingback: Hyperbaustelle » Über den Winter gekommen? | Utopie-Blog – 05. April 2011 @ 15:30

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