Hyperbaustelle

Das Gespenst des Kapitals

Der Berliner Literaturwissenschaftler und Philosoph Joseph Vogl fasst zusammen, was längst allen klar sein sollte: Sein neues Buch »Das Gespenst des Kapitals« verweist auf die Irrationalität der kapitalistischen Ökonomie.

Es ist ein immer wiederkehrendes Thema auf der Hyperbaustelle: das marode, spekulative und skrupellose System, dem mittlerweile weltweit alles gehorcht – der Kapitalwirtschaft. Joseph Vogl stellt diese mit überzeugenden Argumenten vor, als ein Gespenst, eine Potenzierung von Adam Smiths “invisible Hand”.

Wussten Sie also, dass Sie einer Form der Gläubigkeit aufsitzen, wenn Sie auf die Bank gehen und eine Geldanlage tätigen. Sie vertrauen darauf, dass ihr profitgetriebenes Handeln letztlich zum Guten führen wird. So hat es uns der Urvater der Betriebswirtschaftslehre ins Stammbuch geschrieben und einer Religiösität Bahn bereitet, die aus dem individuell Schlechten durch die Verwandlung auf dem Markt ein kollektives Gutes erwachsen sieht.

Digitalisierung und Globalisierung des Börsenhandels haben aus dem Markt allerdings ein unberechenbares Monster gemacht, das nicht mehr vernünftig zu kontrollieren ist, dem man mit Analysen oder auch mit Astrologie oder metaphysischen Spekulationen gegenübertreten kann – die Vorhersagen dürften den gleichen Erfolg haben.

Wer es noch nicht begriffen hat, dass der Markt nichts human und gerecht  zu regulieren vermag, dem sei die Lektüre des Buches empfohlen. Mit Beschreibung und Bewusstmachung ist es allerdings nicht mehr getan. Es braucht alternative Ansätze, eine komplett andere Wertlogik als die des Wettens auf Untergänge von Firmen und Währungen. Wie sinnvoll und gleichermaßen schwer es ist, alternative Wege aufzuzeigen, spiegelt die Diskussion unter Utopistik der Ökonomie (Teil 2) wider.

Lest auch:
Joseph Vogl
Das Gespenst des Kapitals
Diaphanes Verlag
Kartoniert, 224 Seiten
12,00 Euro

3sat:
Hoffnung und Furcht. Der Finanzmarkt und “Das Gespenst des Kapitals”

Deutschlandlandradio Kultur:
Entkoppeltes Wirtschaftssystem

Auf der Hyperbaustelle:
Utopistik der Ökonomie
Utopie ist realistisch

Dieser Beitrag wurde am Montag, 24. Januar 2011 um 11:19 Uhr von urb veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Politik / Gesellschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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6 Kommentare »

  1. Kann mich jemand mal aufklären, warum eine Reprivatisierung des Kapitals die einzige Möglichkeit ist, das System zu retten? Und warum, das System überhaupt gerettet werden muss? Warum die Sozialisierung des Kapitals unbedingt verhindert werden muss? Bloß weil es eine basale marxistische These ist? Was will uns Vogl in seinem Statement sagen?

    Comment: Gloria – 25. Januar 2011 @ 14:42

  2. Antwortet keiner?

    Comment: Gloria – 31. Januar 2011 @ 17:03

  3. Hallo Gloria,

    Ich sehe nicht, dass Vogl so etwas wie eine “Reprivatisierung des Kapitals” fordert, und was sollte das sein?

    In den vorliegenden Besprechungen heißt es, “Was die Zukunft des Kapitalismus angeht, ist man nach der Lektüre ebenso ratlos wie zuvor – allerdings auf intellektuell beträchtlich höherem Niveau… Aber wenn wir vom Kapitalismus weder jetzt noch in Zukunft irgendeine Art der rationalen Selbstregulierung erwarten dürfen … dann taugt er auch nicht als Modell für eine vernünftige oder gerechte Organisation der Gesellschaft. Mit der Chaos-Moral des Kapitalismus lässt sich das Miteinander der Menschen nicht mehr gestalten.”

    Vogl verweist also richtig auf die Irrationalität und Perspektivlosigkeit des Finanzkapitalismus, wie man das jetzt nennt, aber er hat eben auch keine konkrete Alternative. Damit sind wir wieder bei dem Rätsel oder Problem einer möglichen, wie auch immer gearteten “Sozialisierung des Kapitals” , an dem ich arbeite, an der Verwandlung der Kapitalwirtschaft in eine gesellschaftlich eingebettete “Sozialwirtschaft”.

    Wir stehen vor der größten Herausforderung der Wirtschaftswissenschaft in unserer Wendezeit, , ein Problem vom Schwierigkeitsgrad eines gordischen Knotens. Was natürlich an der Nürnberger WiSo keinen Menschen interessiert, die müssen ja Drittmittel hereinholen und sich um einen Job oder ihr Erbe in dem bestehenden perversen System sorgen: Eine völlig korrumpierte Pseudowissenschaft, eine “Wissenschaft die keine ist”, so Alexander B. Voegele in einem aktuellen Buch.

    Marx sprach einmal von der “innerlich verzweifelten Armut, welche die Grundlage des bürgerlichen Reichtums und seiner Wissenschaft bildet”. ich denke, in der Findelgasse oder Langen Gasse ist dieses wahre Wort in den letzten 50 Jahren nicht ein einziges Mal zitiert worden. Suchen wir also sehr ernsthaft weiter nach einer anderen, “vernünftigen und gerechten Organisation” der Wirtschaft und Gesellschaft!

    Horst Müller

    Comment: Horst Müller – 01. Februar 2011 @ 09:10

  4. [...] wird trotz aller Vorbehalte einer irrwitzigen, gespenstischen (Vogl: »Das Gespenst des Kapitals«) und völlig irrationalen Ökonomie vertraut, die eher einem Glaubensbekenntnis gleicht, als [...]

    Pingback: Hyperbaustelle » Ökonomiediskussion im Januar | Utopie-Blog – 07. Februar 2011 @ 11:39

  5. @Horst: Im Prinzip natürlich richtig, was du schreibst. Aber hast du dir die Passage am Ende des Videos angehört? Ich werde aus der Argumentation Vogls nicht schlau.

    Comment: Gloria – 11. Februar 2011 @ 10:35

  6. [...] – möchte ich auf einen interessanten Beitrag aus dem Hyperbaustellen-Blog hinweisen: in „Das Gespenst des Kapitals“ wird der Autor des gleichnamigen Buchs, der Berliner Literaturwissenschaftler und Philosoph [...]

    Pingback: Konsumpf » Das Gespenst des Kapitals – die Irrationalität unserer Ökonomie – 11. April 2011 @ 09:41

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