Hyperbaustelle

Der Twittertest

Twittern, heißt am Puls der Zeit sein. Und der schlägt nicht einmal mehr fragmentarisch, sondern mikrotisch. Sprachfetzen schäumen dort zu einer ungeheuren Verbalwelle auf, die auch mit Suchwörtern kaum zu dämmen ist. Eine gewisse Poesie ist dem Ganzen jedenfalls nicht abzusprechen. Aber wie verhält es sich mit »Utopie«?

Twitter_aufm

»Ohnehin alles Utopie. Leider.« So könnte man den Tenor der Meinungsäußerungen auf Twitter leider auch zusammenfassen. Alles, was nie wirklich werden kann, wird mit Utopie identifiziert, obwohl sie doch ganz aus dem Möglichen besteht. So degeneriert sie zum Namen eines Restaurants, wohinter allerdings auch ein ganz guter Ansatz stecken könnte, wer weiß. In der Politik wird der Begriff dem Dunkel jenseits der Parteiräson zugeordnet:

Twitter_Utopie_1

Dass zumindest noch SPD-Grünschnäbel einer Utopie nachlaufen überrascht positiv. Wenn dem Sehen einer Serienstaffel en bloc utopischer Charakter verliehen wird, verweist das zumindest auf den wünschenden Kern der Utopie.

Twitter_Utopie_3

Unterschwellig wird manchmal mehr ausgesagt, als offenbar bewusst ist. Ein aufgeräumtes Zuhause würde ich durchaus als utopisch bezeichnen wollen. Doch global gesehen, haben wir ein solches definitiv nirgends. Und wen die Triebe reiten, muss sein sexuelles Sendungsbewusstsein scheinbar in alle Begrifflichkeiten mischen.

Twitter_Utopie__9

Dieser Post trifft ins Schwarze:

Twitter_Utopie_4

Der Folgende begibt sich ins dialektische Abseits: »Ich bin weder noch«, eine ganz üble Position für einen Utopisten.

Twitter_Utopie_5

Dann gibt’s noch den absolut passenden Literaturhinweis, eine Neuerscheinung vom 10. Oktober: Vermessung der Utopie von Raul Zelik und Elmar Altvater. Auf was immer sich der nächste Post beziehen mag: Ganz und gar unutopisch ist die Vorstellung, es sich ignorant mit Idiotenzusammen einzurichten.

Twitter _Utopie_2

Im Übrigen kannst du über die Bookmark-Icons unten diesen Beitrag auf Twitter (das Vögelchen!) posten, du brauchst dazu nur einen Account dort.

Dieser Beitrag wurde am Sonntag, 11. Oktober 2009 um 23:15 Uhr von urb veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Medien / Web abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Kommentare »

  1. Hi,
    “Gedanken hüpfen wie Flöhe von einem Menschen auf den andern. Aber sie beißen nicht alle.”(S.Lec). Ist das deine Botschaft? LG Nina

    Comment: Nina – 12. Oktober 2009 @ 22:35

  2. Hi, Nina, der wunderbare Lec und seine sämtlichen unfrisierten Gedanken: Der Aspekt schwingt sicher mit, mir ging es aber um das abschätzige Verständnis von Utopie, das zutiefst resignierte Geisteshaltungen offenbart. “Alle unsere unterschiedlichen Fiktionen ergeben zusammen die gemeinsame Wirklichkeit.” (Lec) Und wie kann man mit ihm eine unutopische Position beschreiben? Die Dummheit überschreitet keine Grenzen. Überall, wo sie hintritt, ist ihr Territorium. (Lec)

    Comment: urb – 13. Oktober 2009 @ 00:00

  3. [...] Augenscheinlich gibt es ein Interesse an Utopie im nicht streng ideologischen Sinne, auch wenn eine Twitter-Stichprobe ein eher verkapptes Bild ergeben hat. Utopie wird im landläufigen Verständnis zwar als das [...]

    Pingback: Hyperbaustelle » Utopie im Oktober | Utopie-Blog – 01. November 2009 @ 17:06

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